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XVIII. Internationalen Aids-Konferenz: Aids mit wissenschaftlich fundierten Maßnahmen und Programmen begegnen
Vaginal-Gel senkt Risiko, sich mit HIV zu infizieren

Da scheint ein wirklicher medizinischer Durchbruch gelungen zu sein. Wissenschaftler haben ein Gel entwickelt, das das Risiko von Frauen, an HIV oder Genitialherpes zu erkranken, dramatisch senken soll. Dabei handelt es sich um ein Vaginal-Gel, das vor und nach dem Geschlechtsverkehr aufgetragen werden muss. Der erfolgreiche Ansteckungsschutz funktioniert aber nur, wenn das Gel auch nachhaltig verwendet wird.

“Das Tenofovir-Gel könnte bei der HIV-Prävention eine wichtige Lücke schließen, weil es die Frauen, die ihren männlichen Partnern keine Treue oder den Gebrauch eines Kondoms abringen können, unabhängig macht,” betont Dr. Quarraisha Abdool Karim, Professor an der Columbia University. Bisher müssten nämlich besonders in Südafrika die jungen Frauen die Hauptlast der Folgen der Erkrankung tragen. Jetzt aber könnten sich die Frauen unabhängig von der Zustimmung des Mannes gegen eine HIV-Infektion schützen.

Karim leitet die Studie, die die Wirkung des Vaginalgels untersucht. Dieses enthält den den antiretroviralen Wirkstoff Tenofovir in einer Konzentration von einem Prozent. Dieser Wirkstoff wird bereits in der Bekämpfung von HIV als Teil des Medikamentencocktails eingesetzt. Tenofovir hindert die HI-Viren daran, sich in menschlichen Zellen auszubreiten. Als Gel bleibt das Medikament nicht an der Oberfläche, sondern dringt über die Schleimhaut in Zellen ein und erreicht dort das Virus direkt. Und zwar mit voller Power. Die Konzentration liegt etwas 1000mal höher als die einer Tenofovirpille, bei der der Wirkstoff durch das Blut im Körper verteilt wird.

An der Studie nahmen 889 Frauen im Alter von 18 bis 40 Jahren teil. Sie stammen aus KwaZulu-Natal in Südafrika. Alle waren nicht mit HIV infiziert, trugen aber ein hohes Risiko für eien Infektion. Die Frauen erhielten ein Gel, das sie 12 Stunden vor dem Geschlechtsverkehr und in den 12 Stunden danach ein zweites Mal anwenden sollten. Etwa bei der Hälfte enthielt das Gel den den antiretroviralen Wirkstoff Tenofovir. Die Frauen verwendeten das Gel über einen Zeitraum von einem bis zweieinhalb Jahre.

Während der der Studie infizierten sich insgesamt 98 Frauen mit HIV. Dabei stammten 38 aus der Gruppe, die das Tenovofir-Gel erhalten hatten, 60 aus der, die das Gel ohne den Wirkstoff verwendet hatten. Bei der Infektion mit Herpes, wurden 29 aus der Gruppe mit dem Tenovofir-Gel und 58 aus der mit dem wirkstofflosen Gel krank.

Die Wissenschaftler beziffern die Effektivität der Risikoreduzierung des Vaginal-Gels bei der HIV-Infektion auf 38 Prozent. Bei der Infektion mit Genitialherpes liegt sie bei 51 Prozent. Das sind allerdings Durchschnittwerte.

Denn die Studie belegte auch, dass die tatsächliche Schutzwirkung vor HIV abhängig davon ist, ob die Frauen das Gel auch den Anwendungsvorschriften entsprechend benutzten. Und wie häufig sie auftrugen. Bei denjenigen Frauen, die das Gel bei mehr als 80 Prozent der Geschlechtsakte angewendet hatten, sank das Infektionsrisiko um 54 Prozent, bei denjenigen, die es bei 50 bis 80 Prozent der Fälle einsetzten, verminderte sich das Risiko um 38 Prozent bei unter 50 Prozent lag das Risiko um 28 Prozent niedriger.

Jetzt soll das Gel möglichst schnell in größeren Mengen hergestellt werden. Der Gel-Hersteller sagt, er habe die Rechte zur Produktion an die südafrikanische Regierung weiter gegeben. Dadurch soll ein Preis erreicht werden, der um die 20 Cent pro Anwendung liegt.



Das Deutsche Ärzteblatt ist allerdings nicht übermäßig euphorisch, was den Einsatz in anderen Ländern betrifft: “Die Effektivität dürfte allerdings zu gering sein, um sie Frauen in den Industrieländern zu empfehlen. Eine Zulassung würde es aufgrund der verhältnismäßig kleinen Studie vermutlich nicht erhalten.”

WANC 20.07.10, Quelle: Science (2010; doi: 10.1126/science.1193748), CAPRISA - AIDS research institute of the University of KwaZulu-Natal and Columbia University

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