
Sekundäre Pflanzenstoffe konzentrieren sich meist in der Schale z.B. von Äpfeln, wird diese entfernt, geht ein Teil der Stoffe verloren (Foto: CMA)
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Sekundäre Pflanzenstoffe: Die Gesundmacher
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Sekundären Pflanzenstoffen werden
viele gesundheitsfördernde Eigenschaften nachgesagt. Nicht alle sind
wirklich wissenschaftlich belegt. Dennoch zeigt der aktuelle
Forschungsstand, dass unsere Gesundheit – beispielsweise Herz-Kreislauf
- von Carotinoiden, Phenolsäuren, Flavonoiden, Sulfiden oder
Phytosterinen vielfach profitieren kann. Allerdings: Die Wirkungen sind
nicht bei jedem Menschen gleich. Und: Die gesundheitsfördernden Effekte
sekundärer Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse lassen sich nicht durch
Pillen, Kapseln oder Pulver isolierter sekundärer Pflanzenstoffe
ersetzen.
Sie machen Chilis scharf, Pampelmusen bitter, färben Tomaten rot und
lassen beim Zwiebel schneiden die Augen tränen: „Sekundäre
Pflanzenstoffe“ werden zehntausende von pflanzlichen Verbindungen
zusammengefasst, deren Bedeutung oft noch gar nicht genau geklärt ist.
Viele sekundäre Pflanzenstoffe dienen dem Schutz der Pflanzen vor
UV-Licht, Sauerstoffradikalen oder Schädlingen. Allein die Top-30
Nahrungspflanzen – die weltweit 90 % des Kalorienverbrauchs ausmachen –
enthalten über 10.000 verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe.
Seit etwa 20 Jahren werden sekundäre Pflanzenstoffe in der
Ernährungswissenschaft untersucht. Inzwischen deuten viele Studien auch
auf das gesundheitsfördernde Potenzial dieser Substanzen beim Menschen
hin. Die bisland über 10.000 identifizierten sekundären
Pflanzenstoffe lassen sich in unterschiedliche chemische Gruppen
zusammenfassen, wie z.B. Carotinoide, Phenolsäuren, Flavonoide, Sulfide
oder Phytosterine. Nicht nur Obst und Gemüse enthalten sekundäre
Pflanzenstoffe – sie kommen in allen pflanzlichen Lebensmitteln vor und
damit zum Beispiel auch in Vollkornbrot, Hülsenfrüchten und Nüssen.
Sekundäre Pflanzenstoffe konzentrieren sich meist in der Schale oder
den äußeren Blättern. Werden diese entfernt (z.B. durch Schälen von
Äpfeln), geht ein Teil der sekundären Pflanzenstoffe verloren.
Durch die Vielzahl der Substanzen sind Empfehlungen für die tägliche
Aufnahme einzelner sekundärer Pflanzenstoffe wenig hilfreich. Studien
deuten darauf hin, dass die protektiven Effekte möglicherweise am
größten sind, wenn ein breites Spektrum an sekundären Pflanzenstoffen
aufgenommen wird, d.h. viele verschiedene pflanzliche Lebensmittel
konsumiert werden. Gesundheitsfördernde Effekte sekundärer
Pflanzenstoffe aus Obst und Gemüse lassen sich nicht durch Pillen,
Kapsel oder Pulver isolierter sekundärer Pflanzenstoffe ersetzen.
Die Bioverfügbarkeit der verschiedenen sekundären Pflanzenstoffe
variiert stark und ist unter anderem von der chemischen Bindungsform
der sekundären Pflanzenstoffe abhängig. Beispielsweise sind zahlreiche
Flavonoide mit einem Zuckermolekül gekoppelt. Außerdem wird die
Bioverfügbarkeit durch die Zubereitung beeinflusst: Carotinoide sind
nur in Begleitung von Fett gut bioverfügbar. Wird Kohlgemüse
gekocht (bzw. in der Mikrowelle erhitzt) können Glucosinolate ihre Wirkung nicht mehr in vollem Umfang entfalten.
Sekundäre Pflanzenstoffe werden sowohl im Dünn- und Dickdarm als auch in der Leber
verstoffwechselt. Dabei entstehen Verbindungen, die sich in ihren
biologischen Eigenschaften zum Teil erheblich von den Ausgangsstoffen
unterscheiden. Zurzeit sind jedoch weder die Anzahl und chemischen
Strukturen aller relevanten Metabolite noch deren molekulare
Wirkmechanismen bekannt. Die Verstoffwechselung sekundärer
Pflanzenstoffe durch Dickdarmbakterien ist von Mensch zu Mensch
unterschiedlich und abhängig von der individuellen Darmflora.
Zudem kann jeder Mensch schon allein aufgrund seiner genetischen
Ausstattung unterschiedlich auf den Verzehr sekundärer Pflanzenstoffe
reagieren, d.h. der Genotyp ist ein wichtiger Einflussfaktor im
Hinblick auf die Wirkung von sekundären Pflanzenstoffen.
Auch wenn viele Effekte der sekundären Pflanzenstoffe noch nicht
vollständig geklärt sind, gibt es viele Belege dafür, dass diese
Stoffgruppe das Risiko für kardiovaskuläre (Herz-Kreislauf-)
Erkrankungen reduzieren kann.
In Bezug auf die Krebsprävention konnten epidemiologische Studien eine
inverse Korrelation zwischen der Aufnahme einiger sekundärer
Pflanzenstoffe und der Prävention bestimmen Krebsarten zeigen. Trotzdem
besteht hier noch erheblicher Forschungsbedarf. Ein hohes Potenzial
wird unter anderem Polyphenolen in Äpfeln und Glucosinolaten in
Kohlgemüse oder Sulfiden in Knoblauch und Zwiebeln zugeschrieben.
Viele Frauen ab einem bestimmten Alter sind von
Wechseljahresbeschwerden betroffen, die sich typischerweise in
Hitzewallungen äußern. In diesem Zusammenhang wird häufig der Einsatz
von Phytoöstrogenen, die auch zu den sekundären Pflanzenstoffen
gehören, diskutiert. Die Wirksamkeit dieser Substanzen bei menopausalen
Beschwerden ist jedoch noch nicht bewiesen.
Auch auf die Haut können bestimmte sekundäre Pflanzenstoffe einen
UV-protektiven Effekt ausüben. Gute Effekte können zum Beispiel die in
rotem und gelbem Gemüse und Obst enthaltenen Carotinoide, wie das
Lycopin der Tomate erzielen.
WANC 27.07.10, Quelle: Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE)
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